Zurück in die Zukunft

Fausto Romitelli (1963 – 2004) «Amok – Koma» für neun Instrumente und Elektronik (2001)

Martin Jaggi (*1978) «Uxul» für zwei Ensemblegruppen (UA, Kompositionsauftrag des CNZ, ermöglicht von Pro Helvetia)

Jorge E. López (*1955) «Kampfhandlungen / Traumhandlungen» für Ensemble (1995/1998)

Donnerstag, 12. April 2018
20 Uhr, Einführung 19 Uhr
Tonhalle Maag
Zahnradstrasse 22
8005 Zürich

Collegium Novum Zürich
Jonathan Stockhammer Dirigent

Veranstalter
Collegium Novum Zürich in Zusammenarbeit mit der Tonhalle-Gesellschaft Zürich

Der Komponist Jorge López meinte einmal, dass es in seiner Musik nicht so sehr um das Neue gehe, sondern um das Aufdecken des Urältesten, Verschütteten. Martin Jaggi dürfte solch eine Vorstellung nicht unvertraut sein: Seit mehreren Jahren arbeitet er an einem Zyklus von Werken unterschiedlicher Besetzung, die sich auf die ältesten überlieferten Zivilisationen beziehen, mithin jene Phasen in der Menschheitsgeschichte, in denen die ersten Städte und organisierten Gesellschaftsformen mit hierarchischen Strukturen entstanden, sich Politik, Wirtschaft, Religion und die ersten Staaten bildeten. In all diesen Werken ist das Kernmaterial durch die ältesten Musiken gegeben, die in den jeweiligen Regionen noch gelebt werden. Jaggi geht es nicht um eine mystische Reanimierung ältester Musik, sondern um einen Blick auf alte Traditionen, die oft verborgen in unserer Zeit noch weiter bestehen und zum Teil weit von dem abweichen, was allgemein unter dem Begriff «Weltmusik» bekannt ist. Das neue Werk wendet sich den Kulturen Mittelamerikas zu, deren älteste Zivilisation die der Olmeken war.
López’ «Kampfhandlungen / Traumhandlungen» ist ein recht frühes Werk des Komponisten und eine Ensemblekomposition, in der eine höchst expressive Klangwelt voller Schründe und Abgründe und von enormer physischer Wucht entfesselt wird. Das dieses phänomenale Werk innerhalb der gut zwei Jahrzehnte, die es nun vorliegt, gerade einmal zwei Aufführungen erlebte, mag zeigen, wie weit es von den Usancen des Musikbetriebs entfernt ist.
Und Romitelli? Von «Amok – Koma» zu behaupten, dass es in einer inneren Beziehung zu den beiden anderen Werken stehe, wäre nicht schlüssig zu begründen. Hier waren es rein musikalische Gründe, die uns bewogen haben, dieses Werk in das Programm zu integrieren: also Fragen des klanglichen Charakters, der Besetzung und der Dauer. Unter dieser rein musikalischen Sichtweise ergibt sich dann doch ein die Werke verbindendes Charakteristikum. Alle drei Komponisten bevorzugen Klänge, denen Körperlichkeit, also eine geradezu physische Präsenz zueigen ist.

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