Von Zeit zu Zeit

Bernd Alois Zimmermann (1918 – 1970) „Omnia tempus habent“ Kantate für Sopran und 17 Instrumente (1957)

Klaus Huber (1924 – 2017) „Intarsi“ – Kammerkonzert in memoriam Witold Lutosławski für Klavier und 17 Instrumentalisten (1994)

György Kurtág (*1926) „Brefs Messages“ für neun Instrumente (2011)

Franz Schreker (1878 – 1934) Kammersymphonie für 23 Soloinstrumente (1917)

Samstag, 23. März  2019
20 Uhr, 19 Uhr Einführung
SRF Radiostudio
Brunnenhofstrasse 22
8057 Zürich

Collegium Novum Zürich
Stefan Wirth Klavier
Allison Bell Sopran
Heinz Holliger Dirigent

Veranstalter
Collegium Novum Zürich

Tickets Zürich
CHF 20
CHF 40 (Unterstützerticket)

Für Bernd Alois Zimmermann war die Einheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im musikalischen Kunstwerk ein ganz zentrale Vorstellung. Für seine Kantate „Omnia tempus habent“ bezog er sich denn auch auf eine alttestamentarische Passage aus dem Prediger Salomo, in der über das Phänomen der Zeit mit Blick auf die menschliche Existenz reflektiert wird. Klaus Huber hält in seinem Werk gleichsam Zwiesprache über Epochegrenzen hinweg: „Ich ging von Mozarts letztem Klavierkonzert aus, das mir ständig im Rücken stand. Nicht zuletzt deshalb wollte ich die inflationäre Entwicklung der Avantgarde-Klaviermusik insofern in Frage stellen, als ich mich bewusst über weite Strecken auf den Mozartschen Klavierumfang beschränkte und statt virtuoser Sprungtechnik ein Höchstmass an Polyphonie in polyrhythmischer, klanglicher und linearer Hinsicht anstrebte. […] Wie Intarsien tauchen dann und wann winzig kleine ‚Zitate‘ aus Mozarts erstem Satz auf, auf die ich mich aber ständig hinbewege: abwärtssinkende Triller, wie ein immer neues, immer schwerer werdendes ‚Adieu‘. Das Kammerkonzert, insbesondere der Satz ‚Intarsi‘, ist dem Andenken Witold Lutosławskis gewidmet, dessen liebenswürdige Freundschaft mir unwiederbringlich ist.“ Auch bei György Kurtág sind Momente des Gedenkens und der Erinnerung häufig in seine Musik eingeschrieben. In zwei Sätzen der „Brefs Messages“ dialogisiert er mit seiner eigenen Vergangenheit: Der dritte und vierte Satz sind rekomponierte Versionen früherer Instrumentalstücke. Mit der Aufführung von Franz Schrekers Kammersymphonie wenden wir uns einem Werk aus der Frühzeit der Moderne zu, das einerseits noch dem Wiener Klang des Fin de Siècle verpflichtet ist, andererseits mit der Reduktion des spätromantischen Riesenorchesters zum Kammerensemble und der neuartigen Interpretation sinfonischer Formmodelle zukunftsweisende Akzente setzt – auch insofern von Zeit zu Zeit verweisend.

LichtspielMusik
Klanginseln VIII