Kino im Kopf

Arnold Schönberg (1874 – 1951) Begleitungsmusik zu einer Lichtspielszene (Drohende Gefahr – Angst – Katastrophe) op. 34 (1929/1930, Bearbeitung: Johannes Schöllhorn, 1993)

Dmitri Kourliandski (*1976) „Lullaby Dances“ (2007/2011, nach der Musik zum Stummfilm „Moskau“ von Mikhail Kaufmann, 1926)*

Alban Berg (1885 – 1935) Ostinato (Filmmusik aus Lulu, 1934, Bearbeitung: Berthold Tuercke, 1994)

Michel van der Aa (1970) „Mask“ für Ensemble und Soundtrack (2006)

Franz Schreker (1878 – 1934) Vier kleine Stücke für grosses Orchester (1929/1930, Bearbeitung: Johannes Schöllhorn, 1993)

Ricardo Eizirik (*1985) „reel: moloch!, 1927“ (nach einer Sequenz aus dem Film „Metropolis“ von Fritz Lang, Uraufführung, Auftragswerk des CNZ, ermöglicht durch die Swiss Re und Stadt Zürich Kultur)

Hanns Eisler (1898 – 1962) Suite Nr. 3 „Kuhle Wampe“ (1931/1932, Bearbeitung: Steffen Schleiermacher, 1998)

Samstag, 14. Januar 2017
20 Uhr, Einführung 19 Uhr
Tonhalle, Kleiner Saal
Claridenstrasse 7
8002 Zürich

Collegium Novum Zürich
Matthias Kuhn Dirigent

Veranstalter
Collegium Novum Zürich in Zusammenarbeit mit der Tonhalle-Gesellschaft Zürich

Alle hier zusammengerückten Kompositionen haben Bezüge zum Film oder sind zumindest in medialen Kontexten entstanden. Dabei werden Werke der frühen Moderne mit aktueller Musik konfrontiert. Arnold Schönbergs „Begleitungsmusik zu einer Lichtspielszene“ erprobt Klischees der Filmmusik der 20er Jahre im Kontext der Musiksprache der damaligen Avantgarde. Dabei ist die Lichtspielszene eine nur imaginierte: Schönbergs Musik entstand nicht für einen konkreten Film, ist aber von solch assoziativer Kraft, dass sie gleichsam einen imaginären Film im Kopf der Zuhörenden evoziert – eine Eigenart, die sie mit Michel van der Aas „Mask“ verbindet. Alban Bergs „Ostinato“ ist für eine filmische Sequenz aus der Oper „Lulu“ geschrieben worden.  Dmitri Kourliandskis „Moscow Lullaby“ ist Teil einer Gemeinschaftskomposition für einen Film aus den 1920er Jahren. Kourliandski gilt als einer der profiliertesten und eigenwilligsten russischen Komponisten der Gegenwart, der schon mehrfach in den Programme des CNZ präsent war. Franz Schrekers „Vier kleine Stücke“ sind für den Rundfunk komponiert und genau auf die Möglichkeiten und Begrenzungen dieses damals jungen Mediums zugeschnitten. Ricardo Eizirik wird sich von einer Szene aus Fritz Langs legendärem Film „Metropolis“ zu einer Musik inspirieren lassen: jener Sequenz, die eine gigantische Maschine als menschenverschlingenden Moloch zeigt. Dass ihn gerade dieses filmische Gleichnis interessiert, verwundert nicht: Seit einiger Zeit spürt der junge Komponist den akustischen Abbildern automatisierter Abläufe nach, in denen sich auch gesellschaftlicher Mechanismen spiegeln. Damit ist der Bogen zum abschliessenden Werk des Programms geschlagen. Hanns Eislers Filmmusik zu „Kuhle Wampe“ ist angewandte Musik par excellence, komponiert für ein Meisterwerk des politisch engagierten Films, die zeigt, wie Musik im Film jenseits billiger Illustration zu funktionieren vermag.

*Fokus Osten

Programmheft

Klanginseln IV
Gastspiel Frankfurt