Trouvaille

Emmanuel Nunes (1941 – 2012) „Un calendrier révolu“ (1968)

György Ligeti (1923 – 2006) Violinkonzert (1989-93)

Dienstag, 30. Oktober 2018
20 Uhr, 19 Uhr Einführung
Tonhalle Maag
Zahnradstrasse 22
8004 Zürich

Collegium Novum Zürich
Rahel Cunz
Violine
Emilio Pomàrico Dirigent

Veranstalter
Collegium Novum Zürich in Zusammenarbeit mit der Tonhalle-Gesellschaft Zürich

Tickets
CHF 20
CHF 40 (Unterstützerticket)

Eine Trouvaille meint einen Glücksfund, eine erfreuliche, unerwartete Entdeckung. Als eine solche konnte man wohl die Uraufführung von Emmanuel Nunes’ „Un calendrier révolu“ bei den Donaueschinger Musiktagen 2017 bezeichnen, als das Werk für viele der Ohrenzeugen dieser Aufführung zum besten des Festivals avancierte. „Un calendrier révolu“ ist ein frühes Werk des Komponisten und entstand in den 1960er Jahren, wurde dann aber von Emmanuel Nunes zurückgezogen und blieb unaufgeführt. Erst kurz vor seinem Tod gab er das Werk frei. Welche Bedeutung hinter dem Titel „Un calendrier révolu“ genau steht, bleibt unklar. Übersetzungen lassen ein breites Interpretationsspektrum zu. Nunes hat sich dazu nicht geäussert. Im Französischen wird „révolu“ oft im Kontext eines abgeschlossenen Zyklus’ oder Kreislaufs verwendet, beispielsweise einer vollständig durchmessenen planetaren Umlaufbahn. Die Idee des Zyklus spielt in Nunes’ Œeuvre wiederum eine wesentliche Rolle. In „Un calendrier révolu“ greift Nunes auf Materialien einiger vorangegangener Werke zurück: Vielleicht weist der Titel auf den zusammenfassenden, abschliessenden Charakter des Stücks. In seiner Klanglichkeit besticht das Werk durch sublimste, genau ausgehörte Farbmischungen und Nunes’ Fähigkeit, grosse Zeitstrecken musikalisch sinnfällig zu füllen.

Wir stellen Nunes’ Frühwerk ein spätes Werk György Ligetis gegenüber. Ligeti vollzog in den Jahren ab etwa 1980 eine stilistische Wandlung, die einer Öffnung gleichkam. Er interessierte sich für die Musik verschiedener Ethnien, beschäftigte sich intensiv mit komplexen Rhythmen und Zeitschichtungen, wie sie der Amerikaner Conlon Nancarrow in seinen Studies for Playerpiano entworfen hatte, erprobte verschiedene Stimmungssysteme und wandte sich auch der von der Avantgarde lange als obsolet betrachteten klassisch-romantischen Tradition zu. Spuren all dessen charakterisieren auch das Violinkonzert, das ein Vierteljahrhundert nach seiner Entstehung als eines der herausragenden Werke der Gattung anerkannt ist.

Natur
Bekenntnisse