Natur

Aureliano Cattaneo (*1974) „Sabbia“ per undici strumenti (2007/08)

Barblina Meierhans (*1981) „Schmelze“ für Ensemble (Uraufführung, Kompositionsauftrag des CNZ)

Tristan Murail (*1947) „Liber Fulguralis“ für Ensemble und elektronische Klänge (2008)

Freitag, 21. September 2018
20 Uhr, 19 Uhr Einführung
Radiostudio Zürich
Brunnenhofstrasse 22
8057 Zürich

Collegium Novum Zürich
Lin Liao Dirigentin

Veranstalter
Collegium Novum Zürich

Tickets
CHF 20 / CHF 40 (Unterstützerticket)

Mit von Menschen erzeugten Klängen auf die Natur zu reagieren, mit ihr in Zwiesprache zu treten – das dürfte Musik seit ihrer Entstehung begleitet haben. Solche Impulse bestimmen auch die drei in diesem Programm zusammengerückten Werke: „Gelegentlich passiert es mir,“ – so Aureliano Cattaneo – „dass ich einen Titel im Kopf habe, nur einen Titel, der sich für mich gut anhört. In anderen Phasen vergeht viel Zeit, bevor sich dieser Titel finden lässt, der dann eigentlich nicht so besonders wichtig ist. Der Titel ‚Sabbia‘ (‚Sand‘) war vor den Klängen da und beeinflusste die Komposition. Sand wird durch viele kleine Körnchen gebildet, die zusammen dieses zugleich kompakte und fliessende Material bilden. Wenn wir von oben einen Strand betrachten, aus der Perspektive eines fliegenden Vogels, ist der Sand sehr einheitlich: egal ob strohfarben, weiss, schwarz oder rosa. Aber wenn wir hinuntergleiten, ihn aus der Nähe betrachten, ihn zwischen den Fingern rieseln lassen, ist jedes Korn einzigartig: Wir finden pieksende Fragmente von Muscheln, Stücke von poliertem Glas, Reste von getrockneten Algen, Gerippe von kleinen Insekten. Und dann einen Zigarettenstummel oder ein Stück Fischernetz und den Samen irgendeiner Pflanze. Es ist ein Mosaik von Formen, ein Kaleidoskop von Stücken…“

Barblina Meierhans äusserte zu ihrer Werkidee: „Ausgehend von natürlichen Materialien mache ich mich in einem ersten Schritt an die Untersuchung von Eis und Gestein. Externe Tonaufnahmen von Geschehnissen wie Magmaflüsse spielen dabei eine Rolle, auch Schmelzdiagramme und Skizzen von Kristallanordnungen, im spezifischen von plastischen Kristallen in diversen Zuständen. Den Hauptteil meiner Recherche zu ‚Natur’ möchte ich aber auf das Schmelzen von Schnee und Eis legen. Nicht nur sinnbildlich in Bezug auf die in den letzten dreissig Jahren massiv angewachsene Gletscherschmelze interessiert es mich, in diese Schmelzprozesse im Tonlabor mikroskopisch genau hineinzuhorchen.“

Tristan Murail hat sich in seiner Musik wiederholt mit Natur-Phänomenen auseinandergesetzt, etwa mit den Klängen des Ozeans („Le partage des eaux“) und des Regens („Le lac“). „Liber Fulguralis“ geht von einem einzigen Blitzschlag aus und benutzt Techniken der Spektralanalyse, um konkrete Klänge in elementare Bestandteile zu zerlegen und dieses Material und seine vielfältigen Transmutationen wieder in die musikalische Raumzeit einzufügen.

Bonsaikonzert II
Trouvaille