Dekonstruktion – Rekonstruktion

Malin Bång (* 1974)
„Irimi“ für Ensemble (2013)

Lars Petter Hagen (* 1975)
„Harmonium Repertoire“ für Ensemble (2016)

Simon Steen-Andersen (* 1976)
„Black Box Music“ für Solo-Schlagzeug, 15 Instrumente und Video (2012)

Freitag, 17. Januar 2020
20 Uhr (19 Uhr Einführung)
Tonhalle Maag
Zahnradstrasse 22
8005 Zürich

Collegium Novum Zürich
Simon Steen-Andersen
Live-Elektronik und künstlerische Leitung „Black Box Music“
Håkan Stene Black Box
Michael Wendeberg
Dirigent (Malin Bång, Lars Petter Hagen)

Veranstalter
Collegium Novum Zürich in Zusammenarbeit mit der Tonhalle-Gesellschaft Zürich

Tickets
CHF 20
CHF 40 (Unterstützerticket)
Tonhalle Zürich
T +41 44 206 34 34
tonhalle-orchester.ch
ab 1. September 2019

In den Werken von Malin Bång und Simon Steen-Andersen geht es dem Allerheiligsten der Musik an den Kragen. In „Irimi“ werden die Instrumente nicht auf herkömmliche Weise gespielt, sondern die klanglichen Qualitäten ihrer Oberflächen und Materialien erforscht. In „Black Box Music“ werden „dirigentische Gesten in einer Art Puppentheaterbühne ausgeführt. Den Schlagzeuger, der diese Gesten ausführt, bekommen weder die davor spielenden Musiker noch die Zuschauer ganzkörperlich zu sehen. Er bleibt reduziert auf seine Hände, die nicht nur dirigieren, sondern im geschlossenen Kasten zusätzlich allerhand Dinge – den Puppentheatervorhang, Gummizüge, Luftschlangen und anderes Gerät – zu bedienen haben, bis hin zum surrealen Slapstick. Einblick erhält man in diesen Kasten nur durch die überdimensionale Videoprojektion mithilfe einer Miniaturkamera, so dass das Ganze wie eine Guckkastenbühne oder ein Zauberkasten erscheint. Für den Zuschauer und Hörer bleibt jedenfalls offen, ob die darin stattfindenden Gesten und Ereignisse nun die Musiker steuern oder ob sie eine Choreographie des Klangverlaufs darstellen. Dem Ganzen bleibt etwas Unheimliches eingeschrieben, denn im Grunde ist dieser Zusammenhang von Bild und Klang auch ein ungeheuerlicher. Eine gleichzeitige Dekonstruktion des Dirigierens und des Puppentheaters, also des Kreatürlichen und Mechanischen, hat Steen-Andersen fast in der Konsequenz von E.T.A. Hoffmanns Erzählung ‚Der Sandmann’ diesen Ansatz bezeichnet.“ (Berd Künzig) Der Dekonstruktion wird die Rekonstruktion gegenübergestellt: Lars Petter Hagen bezieht sich auf bestimmte Passagen von spätromantischer Musik – beispielsweise aus Werken Mahlers und Bruckners –, die wie fernste Erinnerungen beschworen werden, voll melancholischer Gewissheit, dass diese Klangwelt für immer verloren ist.

Mosaik
Jagden und Formen