Schöne Welt? 18.06.2012 Tonhalle Zürich

"... Es hat etwas Gespenstisches, wenn die Sopranistin so ganz alleine, einzig von Lautsprechern umgeben, auf die grosse Bühne tritt. Doch Silke Evers füllte den Raum mit unerhörter stimmlicher Präsenz und farbenreichem Timbre. So fügte sich ihr Sopran subtil in die Tonbandklänge, welche André Richard, der wohl beste Klangregisseur der Schweiz, akustisch hervorragend ausgelotet einspielte.

Schon vor Nonos Stück hatte eine Stimme für sich eingenommen: der Bariton von Roman Grübner. Er sang Schönbergs Kammermusikfassung der «Lieder eines fahrenden Gesellen» von Gustav Mahler mit viel Sinn für die Brüchigkeit des Glücks, mit weitatmiger Phrasierung und beredter Deutung harmonischer Wendungen. Dabei begleiteten ihn die Musiker(innen) des Collegium Novum mit ausdrucksstarker und farbbetonter Gestik.

Das sehr anspruchsvolle Programm endete mit Klaus Ospalds (*1956) 25-minütiger 2. Kammersinfonie «Il fiore del deserto» (2005/06). Sie offenbarte trotz starker Bläserbatterie einen subtil ausbalancierten, gut durchgehörten Ensembleklang, in welchen sich die Stimme von Evers vielschichtig schimmernd einpasste, und eine raffinierte Zeitdramaturgie.

Kein Wunder bei so guten und engagierten Musiker(innen), die Peter Hirsch mit klarer Weitsicht führte."

Sibylle Ehrismann, Der Landbote, 20.06.12


"... Die Klänge, welche Nono im Mailänder Studio di Fonologia der RAI und im Genoverser Italsider-Walzwerk aufgenommen hatte, und der Live-GEsang der grandiosen Sopranistin Silke Evers verbinden sich noch heute zu einem düsteren, doch packenden, weil strukturell klaren musikalischen Gebilde ganz eigener Art. ... Das Werk stan din der Mitte einer starken ersten Konzerthälfte des Collegium Novum Zürich im Rahmen der Zürcher Festspiele. Gustav Mahlers "Lieder eines fahrenden Gesellen" in der Kammerensemble-Fassung von Arnold Schönberg mit dem sehr schön gestaltenden Bariton Roman Grübner eröffneten den Abend, und der Dirigent Peter Hirsch vermochte mit seiner sorgsam ausgehörten Interpretation auch an diesem Werk Neues zu zeigen. Vor der Pause zudem Georg Katzers "La fabbrica abbandonata" mit dem Sprecher Peter Schweige, Silke Evers und dem CNZ: überaus eindrücklich, wie unaufgeladen und doch so hochpoetisch und berührend der Kompnist einen alptraumartigen Text des Dichters Wolfgang Hilbig in einen Klangraum stellte."

Alfred Zimmerlin, NZZ, 20.06.12 



Tage für Neue Musik Zürich, November 2011
... Ein weiteres Spätwerk gereichte dem Festival zum Höhepunkt: Das Ohr des Innern von Rudolf Kelterborn, eine "Musik mit japanischen Haikus" für zwei Stimmen, Violine, Klarinette und Schlagzeug, aufgeführt vom Collegium Novum Zürich, Eva Nievergelt (Sopran), Robert Koller (Bassbariton) und David Philip Hefti (Leitung) ... zum Ereignis wäre diese Uraufführung ohnehin geworden, im Kontext eines Festivals, das sich vom Uraufführungshype fernhält, wurde sie es umso mehr.

Tobias Rothfahl, Dissonance 03/2012


Gastspiel Berlin, Januar 2012
... In Oscar Bianchis ausladender Kantate „Matra“ entfacht das Collegium Novum Zürich unter Jonathan Stockhammer apokalyptische Klänge, allen voran Susanne Fröhlich auf der schrill überblasenen und schaurig unkenden Paetzold-Kontrabassblockflöte. Das Werk des 36-jährigen Schweizers beschwört nach dem „Vijnara-Bhairava Tantra“ Schein und Wirklichkeit der Existenz und spielt mit Stille und Klangeruption.

Isabel Herzfeld, Tagesspiegel Berlin vom 23.01.2012


... «Dérive 2» von Pierre Boulez in der eine Dreiviertelstunde dauernden Fassung von 2006 für elf Instrumente ist ein Riesenwerk, vielgestaltig, verschachtelt und doch aus einem Guss. Mit einem eleganten Tonsatz, einer sinnlichen Klanglichkeit, einer geschmeidigen Harmonik und doch einer Herbheit und Schärfe, die einen packt und in jedem Moment hellwach hält. Virtuose und beredte Musik - kompositorisch und in der Realisation. Eindrücklich, mit welcher Präzision, welchem Schwung und welcher Spielfreude das Collegium Novum Zürich das Werk unter der Leitung von Michael Wendeberg in der Zürcher Tonhalle aufführte.  ...
... Ein Erlebnis ... ist immer wieder eine Begegnung mit der «Juilliard Serenade» (1971) von Bruno Maderna, einer so offenen und dennoch verbindlich komponierten Musik mit federnder Leichtigkeit und berührender Tiefe. Glänzend, wie das Collegium das Werk für grosses Ensemble und Tonband spielte.

Alfred Zimmerlin, NZZ vom 16.12.2011


... Mit Sinn fürs Sinnliche dirigierte David Philip Hefti die Partituren (Morten Olsen, Carlo Ciceri). Und das Collegium Novum Zürich half ihm, ihnen Profil und Plastizität zu verleihen. Besonders nach der Pause, als in der Uraufführung von Rudolf Kelterborns «Das Ohr des Inneren» Natur und Mensch, Eindruck und Ausdruck, vielleicht sogar japanische und europäische Kunst aufeinanderprallten. Denn so reduziert die japanischen Haikus sind, auf denen das Werk basiert, so dicht war die Komposition. Eine Palette an Spieltechniken wurde da vom Instrumentaltrio neben- und übereinandergelegt, und die Phrasen der Sänger Eva Nievergelt und Robert Koller waren mit Ausdruck aufgeladen. ...

Anna Kardos, Tages-Anzeiger vom 12.11.2011


... Wenn man die Musik (Jorge E. López: «A végső Tavasz») nur gehört hätte, wäre man wohl kaum darauf gekommen, dass sie nur von zehn Musikern und einer Sängerin (Eva Nievergelt) erzeugt wurde. Das hat nun allerdings nicht nur mit dem Stück zu tun sondern auch mit dessen Interpretation: Das Collegium Novum Zürich unter Leitung von Michael Wendeberg stürzte sich furios in die Partitur, die es zusammen mit dem Klangforum Wien in Auftrag gegeben hatte (...). Und die Energie liess nicht nach bis zum Schluss ...

Susanne Kübler, Tages-Anzeiger vom 27.10.2011


... Das Puppenhafte dieses Daseins («Abenteuer in Sachen Haut» von Theater Rigiblick) konnte Käser nicht besser einfangen als mit einem Puppenspiel. Zumal es vom Wiener Kabinetttheater mit schlichter, verschrobener Ausdruckskraft gestaltet wird. Aber nicht nur das Bühnengeschehen, auch die Musik ist bildhaft. Banales und Witziges, Taghelle und Albtraum durchdringen sich, und  die Musik torkelt von einem wirbligen Kraftfeld ins nächste, spannungsgeladen und von grosser Sogkraft. Ob mit Spieldose, angetippten Kaffee-Untertassen, Lotusflöte, Geige oder Schlagzeug, dem Collegium Novum Zürich gelingt es, die Orientierungslosigkeit, die sich aus dem surrealen Geschehen ergibt, in ihrer Stickigkeit spürbar zu machen. ...

Tom Hellat, Tages-Anzeiger vom 10.09.2011


... Die sieben Spieler des Collegium Novum Zürich agieren konzentriert und fesselnd, besonders der Mann am Klavier (Stefan Wirth), der noch komplexe Passagen dirigiert, während er heftig die Tastatur bearbeitet. ...

Jörg Handstein, Donaukurier vom 21.06.2011


... Peter Rundel und das Collegium Novum Zürich begegneten Wagner mit exquisitem Klang und Ausdruck und gingen in Nunes’ Kompositionen konzentriert und eindringlich zur Sache. Zusammen mit der Sopranistin Anna Palimina gelangen die Trois airs por un opéra imaginaire des jung verstorbenen Kanadiers Claude Vivier schliesslich mit jener dringlichen Expressivität, die seine Vision einer heiligen Kunst postuliert.

Michelle Ziegler, NZZ vom 14.06.2011


... (Schönbergs) Kammersymphonie für 15 Soloinstrumente op. 9 mit ihren emblematischen Quartschichtungen stand am Anfang. Unter der Leitung von Heinz Holliger sorgte das Collegium Novum Zürich mit grossem Impetus und Verve für eine leidenschaftlich-expressive Darstellung des bedeutenden Werks: eine Darbietung, die den solistischen Anforderungen in stupender Weise gerecht wurde.

Michael Schmitt, Badische Neueste Nachrichten vom 21.05.2011


... Anton Weberns Sechs Stücke für Orchester op. 6 wirkten in des Komponisten eigener Fassung von 1920 für Oboe, Klarinette, Horn, Streichquintett, Harmonium, Klavier und drei Schlagzeuge weniger kompakt als im Original. ... Dass die fragmentierte Musik plötzlich mit so wienerischem Schmelz zu singen begann, war hingegen dem temperamentvollen Dirigenten (Daniel Klajner) zu danken, der diesen Bezug aufs Schönste herausgearbeitet hat.
Arnold Schönbergs Sechs Orchesterlieder op. 8 (1903-05) – mit der famosen Sopranistin Olivia Stahn als Solistin – funktionierten in der Kammerfassung fast besser als in der dichten Orchesterfassung: ein Fest des neu-anderen Hörens. ...

Alfred Zimmerlin, NZZ vom 31.03.2011


... Die Mitglieder des Collegium Novum Zürich unter Michael Wendebergs Leitung schenken der jungen Musik alle Sorgfalt und verständnisvolle Zuwendung. So konnte auch Rico Gublers mit Pausen, Impulsen, Bläsertupfen arbeitendes Rosenstück Ros aufblühen und das fast Klavierkonzert gewordene Stück vom Rohen und Gekochten aus der originellen Feder von Stefan Wirth seine Wildheit, seinen Witz und im Auge des Clusters seine Hornwärme ausspielen.

Tiroler Tagesszeitung vom 18.09.2010

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