... Ein weiteres Spätwerk gereichte dem Festival zum Höhepunkt:
Das Ohr des Innern von Rudolf Kelterborn, eine "Musik mit japanischen Haikus" für zwei Stimmen, Violine, Klarinette und Schlagzeug, aufgeführt vom Collegium Novum Zürich, Eva Nievergelt (Sopran), Robert Koller (Bassbariton) und David Philip Hefti (Leitung) ... zum Ereignis wäre diese Uraufführung ohnehin geworden, im Kontext eines Festivals, das sich vom Uraufführungshype fernhält, wurde sie es umso mehr.
Tobias Rothfahl, Dissonance 03/2012
... In Oscar Bianchis ausladender Kantate „Matra“ entfacht das Collegium Novum Zürich unter Jonathan Stockhammer apokalyptische Klänge, allen voran Susanne Fröhlich auf der schrill überblasenen und schaurig unkenden Paetzold-Kontrabassblockflöte. Das Werk des 36-jährigen Schweizers beschwört nach dem „Vijnara-Bhairava Tantra“ Schein und Wirklichkeit der Existenz und spielt mit Stille und Klangeruption.
Isabel Herzfeld, Tagesspiegel Berlin vom 23.01.2012
... «Dérive 2» von Pierre Boulez in der eine Dreiviertelstunde dauernden Fassung von 2006 für elf Instrumente ist ein Riesenwerk, vielgestaltig, verschachtelt und doch aus einem Guss. Mit einem eleganten Tonsatz, einer sinnlichen Klanglichkeit, einer geschmeidigen Harmonik und doch einer Herbheit und Schärfe, die einen packt und in jedem Moment hellwach hält. Virtuose und beredte Musik - kompositorisch und in der Realisation. Eindrücklich, mit welcher Präzision, welchem Schwung und welcher Spielfreude das Collegium Novum Zürich das Werk unter der Leitung von Michael Wendeberg in der Zürcher Tonhalle aufführte. ...
... Ein Erlebnis ... ist immer wieder eine Begegnung mit der «Juilliard Serenade» (1971) von Bruno Maderna, einer so offenen und dennoch verbindlich komponierten Musik mit federnder Leichtigkeit und berührender Tiefe. Glänzend, wie das Collegium das Werk für grosses Ensemble und Tonband spielte.
Alfred Zimmerlin, NZZ vom 16.12.2011
... Mit Sinn fürs Sinnliche dirigierte David Philip Hefti die Partituren (Morten Olsen, Carlo Ciceri). Und das Collegium Novum Zürich half ihm, ihnen Profil und Plastizität zu verleihen. Besonders nach der Pause, als in der Uraufführung von Rudolf Kelterborns «Das Ohr des Inneren» Natur und Mensch, Eindruck und Ausdruck, vielleicht sogar japanische und europäische Kunst aufeinanderprallten. Denn so reduziert die japanischen Haikus sind, auf denen das Werk basiert, so dicht war die Komposition. Eine Palette an Spieltechniken wurde da vom Instrumentaltrio neben- und übereinandergelegt, und die Phrasen der Sänger Eva Nievergelt und Robert Koller waren mit Ausdruck aufgeladen. ...
Anna Kardos, Tages-Anzeiger vom 12.11.2011
... Wenn man die Musik (Jorge E. López: «A végső Tavasz») nur gehört hätte, wäre man wohl kaum darauf gekommen, dass sie nur von zehn Musikern und einer Sängerin (Eva Nievergelt) erzeugt wurde. Das hat nun allerdings nicht nur mit dem Stück zu tun sondern auch mit dessen Interpretation: Das Collegium Novum Zürich unter Leitung von Michael Wendeberg stürzte sich furios in die Partitur, die es zusammen mit dem Klangforum Wien in Auftrag gegeben hatte (...). Und die Energie liess nicht nach bis zum Schluss ...
Susanne Kübler, Tages-Anzeiger vom 27.10.2011
... Das Puppenhafte dieses Daseins («Abenteuer in Sachen Haut» von Theater Rigiblick) konnte Käser nicht besser einfangen als mit einem Puppenspiel. Zumal es vom Wiener Kabinetttheater mit schlichter, verschrobener Ausdruckskraft gestaltet wird. Aber nicht nur das Bühnengeschehen, auch die Musik ist bildhaft. Banales und Witziges, Taghelle und Albtraum durchdringen sich, und die Musik torkelt von einem wirbligen Kraftfeld ins nächste, spannungsgeladen und von grosser Sogkraft. Ob mit Spieldose, angetippten Kaffee-Untertassen, Lotusflöte, Geige oder Schlagzeug, dem Collegium Novum Zürich gelingt es, die Orientierungslosigkeit, die sich aus dem surrealen Geschehen ergibt, in ihrer Stickigkeit spürbar zu machen. ...
Tom Hellat, Tages-Anzeiger vom 10.09.2011
... Die sieben Spieler des Collegium Novum Zürich agieren
konzentriert und fesselnd, besonders der Mann am Klavier (Stefan Wirth),
der noch komplexe Passagen dirigiert, während er heftig die Tastatur
bearbeitet. ...
Jörg Handstein, Donaukurier vom 21.06.2011
... Peter Rundel und das Collegium Novum Zürich begegneten Wagner
mit exquisitem Klang und Ausdruck und gingen in Nunes’ Kompositionen
konzentriert und eindringlich zur Sache. Zusammen mit der Sopranistin
Anna Palimina gelangen die Trois airs por un opéra imaginaire des jung verstorbenen Kanadiers Claude Vivier schliesslich mit jener
dringlichen Expressivität, die seine Vision einer heiligen Kunst
postuliert.
Michelle Ziegler, NZZ vom 14.06.2011
... (Schönbergs) Kammersymphonie für 15 Soloinstrumente op. 9 mit ihren emblematischen Quartschichtungen stand am Anfang. Unter der
Leitung von Heinz Holliger sorgte das Collegium Novum Zürich mit grossem
Impetus und Verve für eine leidenschaftlich-expressive Darstellung des
bedeutenden Werks: eine Darbietung, die den solistischen Anforderungen
in stupender Weise gerecht wurde.
Michael Schmitt, Badische Neueste Nachrichten vom 21.05.2011
... Anton Weberns Sechs Stücke für Orchester op. 6 wirkten
in des Komponisten eigener Fassung von 1920 für Oboe, Klarinette, Horn,
Streichquintett, Harmonium, Klavier und drei Schlagzeuge weniger
kompakt als im Original. ... Dass die fragmentierte Musik plötzlich mit
so wienerischem Schmelz zu singen begann, war hingegen dem
temperamentvollen Dirigenten (Daniel Klajner) zu danken, der diesen
Bezug aufs Schönste herausgearbeitet hat.
Arnold Schönbergs Sechs Orchesterlieder op. 8 (1903-05) –
mit der famosen Sopranistin Olivia Stahn als Solistin – funktionierten
in der Kammerfassung fast besser als in der dichten Orchesterfassung:
ein Fest des neu-anderen Hörens. ...
Alfred Zimmerlin, NZZ vom 31.03.2011
... Die Mitglieder des Collegium Novum Zürich unter Michael Wendebergs Leitung schenken der jungen Musik alle Sorgfalt und verständnisvolle Zuwendung. So konnte auch Rico Gublers mit Pausen, Impulsen, Bläsertupfen arbeitendes Rosenstück
Ros aufblühen und das fast Klavierkonzert gewordene Stück vom Rohen und Gekochten aus der originellen Feder von Stefan Wirth seine Wildheit, seinen Witz und im Auge des Clusters seine Hornwärme ausspielen.
Tiroler Tagesszeitung vom 18.09.2010