Caspar David Friedrich "Das Eismeer", auch bekannt als "Die gescheiterte Hoffnung"
Montag, 18. Juni 2012,
20:00 Uhr

Tonhalle Zürich, Kleiner Saal
Claridenstrasse 7
8002 Zürich
Collegium Novum Zürich
Silke Evers, Sopran
Peter Schweiger, Sprecher
Roman Grübner, Bariton
Gustav Mahler "Lieder eines fahrenden Gesellen" (1884/85) für Singstimme und Kammerensemble bearbeitet von Arnold Schönberg (1920)
Luigi Nono "La fabbrica illuminata" für Stimme und Tonband (1964)
Georg Katzer "La fabbrica abbandonata" nach Texten von Wolfgang Hilbig für Sprecher, Sopran und Ensemble (2010)
Klaus Ospald 2. Kammersinfonie "Il fiore del deserto" für Sopran und Kammerensemble (2005/06)


Schöne Welt?

"Ist's nicht eine schöne Welt?" fragt der fahrende Geselle in Gustav Mahlers Liederzyklus, um die Frage dann sogleich zu verneinen. Er könnte ein Widergänger des „reisenden Waldhornisten“ sein, dem Helden der Winterreise Wilhelm Müllers und Franz Schuberts. „Fremd“ lautet das erste Wort von Schuberts Liederzyklus. Wenige Jahre nach dessen Entstehung analysierte Karl Marx in seinen Ökonomisch-Philosophischen Manuskripten, was den Menschen unter den Bedingungen entfremdeter Arbeit widerfährt. Schubert war wohl der erste Komponist, in dessen Musik die Ahnung dessen widerhallt. Eine unglückliche Liebe habe die Wanderer zur Weltflucht gezwungen, suggerieren die Texte sowohl in der „Winterreise“ als auch in den „Liedern eines fahrenden Gesellen“. Die Schmerzen der Protagonisten beider Zyklen reichen freilich tiefer, rühren her aus der „tiefen Traurigkeit über die Unzulänglichkeit der Welt“ – so die Definition des Wortes „Weltschmerz“, die Jacob und Wilhelm Grimm gegeben haben.
Mit der Unzulänglichkeit der Welt setzen sich auch Luigi Nono und Georg Katzer in ihren beiden Werken auseinander – freilich aus entgegengesetzter Perspektive. Ist Nonos "La fabbrica illuminata" noch ganz vom Glauben an die Möglichkeit einer Verbesserung der Welt durchdrungen, so wird in Katzers "La fabbrica abbandonata" nach Texten von Wolfgang Hilbig die Erfahrung des Scheiterns solcher Utopie artikuliert. Klaus Ospalds 2. Kammersinfonie "Il fiore del deserto" gehört zu einem Werkzyklus, der sich auf die Dichtung Giacomo Leopardis bezieht, der die romantische Zerrissenheit geradezu archetypisch repräsentierte: "Leopardi ist Skeptiker und macht uns gläubig. Er glaubt nicht an eine bessere Zukunft für das Vaterland und erzeugt Mut und Liebe zu großen Taten. Er hat eine derart schlechte Meinung von der Menschheit, und seine freundliche Seele verehrt und besingt sie." (Francesco De Sanctis)

Vorverkauf:

Tonhalle Zürich 
Claridenstrasse 7 
8002 Zürich 
T +41 (0)44 206 34 34 

Preise:

CHF 42/CHF 18 (Legi)
Ein Konzert im Rahmen der Zürcher Festspiele.
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